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Biokraftstoffe & Alternative Energie - Pflanzenoel Bioethanol Umruesten und Tankstellen



 

 

Pflanzenoeltaugliche Motoren/Umruestung

Tipps zum Umruestung von Dieselmotoren auf Pflanzenoel

Der Saft zum Sparen: ganz gewoehnliches Salatoel. AUTO BILD zeigt, wie es in den Tank kommt und was Sie beachten sollten.

 

Bauern sind Trendsetter. Wie? Das glauben Sie nicht? Koennen Sie aber. Schliesslich waren es ja Landwirte, die wegen der schrumpfenden Verguenstigungen fuer ihren Dieselkraftstoff immer haeufiger Pflanzensaft – genauer Salatoel – an Trecker und Maehdrescher verfuetterten. Pack die Sonnenblume in den Tank, sagen mit steigenden Kraftstoffpreisen immer mehr Autofahrer und fuettern ihren Diesel mit genannt. Dass das funktioniert, bewies AUTO BILD-Kollege Wolgang Blaube 2000 bis 2001 in seinen.
Heute beschaeftigen sich immer mehr professionelle Umruester mit diesem Thema. Aus gutem Grund: Dank Mineraloelsteuerbefreiung kostet ein Liter Pflanzenoel rund 70 Cent. Weitere Vorteile: Als Biokraftstoff ist er annaehernd CO2-neutral, schwefelfrei, ungiftig. aeltere Vorkammerdiesel mit Reiheneinspritzpumpe vertragen den Ersatzstoff zumindest im Sommer meist ohne Probleme.
Common-Rail- oder Pumpe-Duese-Motoren sind empfindlicher. Schliesslich ist der Pflanzensaft ein Naturprodukt. Viskositaet (das Fliessverhalten) und Cetanzahl (die Zuendwilligkeit) des Poels sind schlechter, die Neutralisationszahl (die Aggressivitaet) hoeher. Auch wenn sich die Pflanzenoellobby um eine DIN fuer Pflanzenoelkraftstoff bemueht, die eine gleichbleibende Mindest-Qualitaet garantieren soll: Wer das Naturprodukt nutzen moechte, sollte seinen Wagen umbauen, kann dann das ueberwiegend angebotene Rapsoel fahren.
Je nach Fahrzeugmodell bieten sich das Ein- oder Zweitank-System an. Wer ohne Umruestung fahren moechte, muss mit zugesetztem Kraftstoffilter und verkokten Einspritzduesen und Ventilen rechnen. Bei viel Kurzstrekkenbetrieb kommt zudem unverbranntes Pflanzenoel ins Motoroel. Also haeufiger das oel wechseln. Achtung: Autobauer erteilen fuer den Betrieb mit Pflanzenoel keine Freigabe, Schaeden fallen nicht unter die Gewaehrleistung.

Bei Umbauten von Diesel-Fahrzeugen zu Pflanzenoelfressern wird zwischen zwei Systemen unterschieden: dem Eintank- und dem Zweitank-Prinzip. Grundsaetzlich ist die erste Loesung fuer Pkw die bessere: Ein Zusatztank ist nicht erforderlich, und das Sparen beginnt mit dem ersten Kilometer, denn auch Kaltstarts und Kaltlaufphase geschehen mit Pflanzenoel.
Allerdings rechnet sich die kostspielige Entwicklung eines solchen 100-Prozent-Systems fuer einen Umruester nur, wenn er genuegend Kunden mit dem jeweiligen Motortyp erwarten kann – wie beim -TDI-Triebwerk mit Verteilereinspritzung. Common-Rail- und Pumpe-Duese-Einspritzer der juengsten Generation indes gelten als problematisch: Zwar existieren Eintank-Angebote fuer beiderlei Techniken, zahlreiche Umruester halten diese Loesungen jedoch fuer unausgereift, anfaellig und unkomfortabel.
Alternative: ein Zweitank-System. Bei dieser Variante passieren Kaltstarts und Kaltlauf mit klassischem Diesel-Sprit, der aus dem kleineren Zusatztank geschoepft wird. Erst bei betriebswarmer Maschine wird automatisch auf Salatoel umgestellt – fuer Kurzstreckenfahrer nicht sinnvoll. Knackpunkt: Einige Kilometer vor langen Stopps, bei denen der Motor stark abkuehlt, muss manuell zurueckgeschaltet werden, damit sich wieder Kaltstart-Diesel in der Einspritzung befindet. Beim Elsbett-Umbau wird der Fahrer durch einen Warnton daran erinnert.
Problem bei Autos mit Erstzulassung ab dem 1. April 2003: Hier schreibt der Gesetzgeber auch fuer den zweiten Tank eine Aussenbefuellung vor. Dieser Zusatz-Eingriff kostet mindestens 500 Euro.

Pflanzenoelfahrern bieten sich verschiedene Moeglichkeiten zu tanken.

  • Als Selbstversorger in kleinen Gebinden aus dem Supermarkt.
  • Aus der Garagentankstelle. Dafuer laesst man ein Kunststoffass von der oelmuehle befuellen, um dann mit einer Handpumpe das Auto zu betanken.
  • An Pflanzenoeltankstellen, zur Zeit gibt es rund 1000 in Deutschland.
    Pflanzenoel ist ungiftig, nicht umweltschaedlich und laengst nicht so feuergefaehrlich wie Benzin. Erstrebenswert ist die Versorgung ueber oeffentliche Tankstellen mit Pflanzenoel nach DIN. Hersteller von Umruestsystemen und Autobauer haetten so eine sichere Grundlage fuer die Motoranpassung.
Einsparung pro Jahr
Verbrauch pro 100 km 10.000 km 12.000 km 15.000 km 18.000 km 20.000 km
6 Liter/100 km 258 310 387 464 516
7 Liter/100 km 301 361 452 542 602
8 Liter/100 km 344 413 516 619 688
9 Liter/100 km 387 464 581 697 774
10 Liter/100 km 430 516 645 774 860
12 Liter/100 km 516 619 774 929 1032
Salatoelpreis 70 Cent/Dieselpreis 1,13 Euro, Umbaukosten nicht eingerechnet, Preise in Euro

Pflanzenoele bestehen aus Kohlenwasserstoffen und sind daher grundsaetzlich zur Verbrennung in Dieselmotoren geeignet. Klar, dass Poel nicht in allen Punkten dem Mineraloelprodukt Diesel entspricht. Wir haben Diesel-, Biodiesel [3] und Salatoel-Proben von einem unabhaengigen Labor untersuchen lassen.

Die Cetanzahl 39,3 gibt die Zuendwilligkeit an, liegt ungefaehr auf dem vorgeschriebenen Wert aus dem Jahr 1965. Eine hoehere Dichte zeigt: Unerwuenschte Bestandteile sind noch im oel, die fuer Ablagerungen und Verkokung im Motor sorgen koennen. Gut fuer die Umwelt: Der Schwefelgehalt ist erfreulich niedrig, liegt deutlich unter dem von Diesel. Die Neutralisationszahl ist deutlich hoeher, womit sich Rapsoel aggressiver gegenueber Metallen und Kunststoffen verhaelt.

Testwerte
Diesel Biodiesel Speiseoel*
Cetanzahl (DIN 51) 53,6 56,3 39,3
Dichte bei 15°C 836,5 kg/m3 883,6 kg/m3 920,2 kg/m3
Schwefelgehalt 276 mg/kg 4 mg/kg 2 mg/kg
Neutralisationszahl < 0,08 mg KOH/g 0,41 mg KOH/g 0,31 mg KOH/g
* Broelio-Rapsoel; Stand 2000

Fuer viele ist Fahren mit Poel ein alter Hut. Kollege Wolfgang Blaube hat seinen Golf II Turbodiesel, Baujahr 1984, in Ausgabe 25/2000 auf die oelige Reise geschickt. Erst ist er noch ohne Umbauten gefahren, dann aber, nach Startproblemen an kalten Tagen, wurde mehr und mehr aufgeruestet. Ergebnis, allen Zweiflern zum Trotz: Er fuhr und fuhr und fuhr ...
Zwar immer mal wieder mit leichter Anlassschwaeche – aber selbst das war zum Schluss, nach rund 23.300 Rapsoel-Kilometern, kein Problem mehr. Laengere Gluehkerzen, ein Kombi-Filterheizer, dickere Kraftstoffleitungen und eine Erhoehung der Foerdermenge brachten Besserung. Kosten fuer Bastler Blaube [5]: rund 200 Euro. Gesparte Kraftstoffkosten: 250 Euro. Das war vor vier Jahren, heute liesse sich bei 20.000 Kilometern und sechs Liter Verbrauch rund das Doppelte sparen. Natuerlich gilt heute wie damals: Nachmachen auf eigene Gefahr.

Testwerte VW Golf GTD 1,6 l/70 PS
Diesel Speiseoel
Preis pro Liter ca. 1,13 Euro 0,70 Euro
AUTO BILD-Testverbrauch 5,29 l/100 km 5,77 l/100 km
Beschleunigung
0- 50 km/h 5,8 s 5,6 s
0-100 km/h 17,8 s 18,0 s
Elastizitaet
60-100 km/h (4. Gang) 15,1 s 13,7 s
80-120 km/h (5. Gang) 20,8 s 19,0 s
Hoechstgeschwindigkeit 166,7 km/h 170,8 km/h
Innengeraeusch
bei 50 km/h (3. Gang) 64 dB (A) 64 dB (A)
bei 100 km/h (4. Gang) 70 dB (A) 70 dB (A)
Abgasuntersuchung
Truebungswert (max. 2,0) 0,55 0,26
AU bestanden ja ja
Messwerte AUTO BILD; Golf, Baujahr 1984

Dieser Artikel stammt aus AUTO BILD 40/2005

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